Vernissage Zeichen - Videoinstallation von Christoph Brech
„Hört man das Zeichen zum Gottesdienst, lege man sofort alles aus der Hand und komme in größter Eile herbei, allerdings mit Ernst.“
Die Videoarbeit „ZEICHEN“ von Christoph Brech, dem Münchner Video- und Fotokünstler, zugleich einem der bedeutendsten seines Faches in Deutschland, entstand für die Insel Reichenau, hat eine Spieldauer von etwa 18 Minuten und läuft in Endlosschleife: Es ist ein Wechsel vom stummen Bild einer dunklen Glockenunterseite zum Einschwingen und ersten Anschlagen des Klöppels an den Glockenrand bis hin zum vollen Klang des satten Geläuts und zurück zum Ausschwingen und Ausklingen bis zum Stillstand – und dann beginnt der Zyklus erneut.
Christoph Brech gehört zu den experimentierfreudigsten Videokünstlern unserer Zeit und vielleicht zu den poetischsten überhaupt. Er beschränkt sich keineswegs darauf, nur schöne Bilder zu suchen. Seine Werke zeigen eine große Affinität zu verlangsamendem Schauen und zu sakralen Motiven.
Das Video zeigt die St. Gallus-Glocke, die dreimal täglich geläutet wird. Sie wurde 1361 gegossen und an Gallus Namenstag geweiht, am 16. Oktober. Dies war nicht etwa irgendein Patrozinium: Der Heilige Gallus hatte schon um 612 die Einsiedelei St. Gallen gegründet und wurde dort begraben.Die Glocke weist somit kirchengeschichtlich in die allerfrühesten Zeiten der Christianisierung zurück.
Um zu der verfremdenden Filmeinstellung zu gelangen, hat Christoph Brech die Kamera unter dem Glockenrand mithilfe einer Schiffschaukel so befestigt, dass sie immer unter dem Scheitelpunkt der hängenden und schwingenden Glocke verbleibt. Der Klöppel aber folgt ja dem Schwung der Glocke mit einer gewissen Trägheit. Wenn die Bewegung der Glocke bereits von einem seitlichen Endpunkt abwärts verläuft, bevor sie zur anderen Seite schwingt, schlägt der Ton an, ehe dann auch der Klöppel nachzieht. Weil die Kamera gegenüber dem Glockenkörper absolut fest fixiert ist, schwingt in dem von den Betrachtern wahrgenommenen Bild nur der Klöppel. Und daraus entwickelt sich das filmische Bild eines Geläuts, das die Zeit anzuhalten scheint, indem man eintaucht in dieses kontemplative Klang-Bild.